<HTML>
	<HEAD>
		<TITLE>Felix Seyfarth - Esteli Mai 1997</TITLE>
		<META NAME="GENERATOR" CONTENT="GoLive CyberStudio">
		<META HTTP-EQUIV="content-type" CONTENT="text/html;charset=iso-8859-1">
		</HEAD>
	<BODY BGCOLOR="#FFFFFF" TEXT="#000000" LINK="#00002C" ALINK="#FF7000" VLINK="#700000">
		
		<H2>Mein liebes Deutschland - </H2>
		Nicaraguas neuer Pr&auml;sident, Arnoldo Alem&aacute;n, war noch keine hundert
		Tage im Amt, als die Stra&szlig;ensperren errichtet wurden. Baumst&auml;mme,
		Steine, Ger&ouml;ll und jede Menge Leute auf dem Panamerikanischen
		Highway, der Estel&iacute; mit dem Rest der Welt verbindet; alle drei
		Stunden d&uuml;rfen zehn Autos passieren, ansonsten ist alles dicht. <P>
		&nbsp; 
		<H2>Der Streik </H2>
		Diese erste Kraftprobe der Sandinisten mit der neuen Regierung
		war der vorl&auml;ufige H&ouml;hepunkt wachsender politischer Spannung.
		Die &quot;Liberalen&quot; hatten ein ganzes Paket von Gesetzen zu verabschieden,
		die das Land in Aufregung versetzten. Am schwerwiegendsten war
		wohl das &quot;Ley 147&quot; &uuml;ber Nichtregierungsorganisationen, das die
		Arbeit zahlloser Organisationen und Projekte in Nicaragua betraf.
		Alle Organisationen dieser Art, zum Beispiel EIRENE in Managua,
		oder auch die Ortsvereine von Los Pipitos, sollen Ausgaben und
		Investitionen jeglicher Art von einem Staatsbeamten pr&uuml;fen lassen
		m&uuml;ssen. Alle ausl&auml;ndischen Spenden, Antr&auml;ge auf Projektgelder
		internationaler Organisationen u. dergl. m&uuml;ssen bei der Regierung
		genehmigt werden und bei der Auszahlung ebenfalls durch staatliche
		Beh&ouml;rden laufen. Die Strategie dieser Gesetzesvorlage richtet
		sich nicht nur gegen internationale Hilfsorganisationen, sondern
		auch und gerade gegen die nationalen NRO's die w&auml;hrend der achtziger
		Jahre und verst&auml;rkt nach den Wahlen von 1990 enstanden und entsprechend
		stark sandinistisch gepr&auml;gt sind. Die Regierung k&ouml;nnte nach Gutd&uuml;nken
		&uuml;ber die &quot;Zulassung&quot; von genehmen Projekten entscheiden, und alles
		abblocken, was ihr nicht in den Kram pa&szlig;t. Bei den Verh&auml;ltnissen
		der hiesigen B&uuml;rokratie br&auml;chte das Gesetz nicht nur unweigerlich
		eine weitere Verz&ouml;gerung aller Projektarbeit mit sich, es ist
		auch voraussehbar, da&szlig; ein Gutteil der Gelder im Gestr&uuml;pp der
		&quot;Stempler&quot; und &quot;Unterschreiber&quot; h&auml;ngenbliebe und nicht an die
		betroffenen Gruppen der Bev&ouml;lkerung gelangen w&uuml;rde. Ein weiterer
		Punkt war Arnoldo's Wahlversprechen an die Exilnicaraguaner, ihnen
		ihr in der Zeit der FSLN enteignetes Land zur&uuml;ckzugeben, und die
		Bodenreform &uuml;berwiegend zugunsten der Anh&auml;nger und Freunde des
		Somoza-Clans r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen. Campesinos, die ihr Land rechtm&auml;&szlig;ig
		seit &uuml;ber 15 Jahren bewirtschafteten, wurden in einigen Ortschaften
		bereits mit Gewalt vertrieben, bei einigen Zusammenst&ouml;&szlig;en gab
		es Verletzte und Tote. <P>
		<IMG SRC="womansmile.JPG" BORDER="1" ALIGN="right" HSPACE="10" VSPACE="10" WIDTH="200" HEIGHT="170">Es sind haupts&auml;chlich Bauern aus teilweise entlegenen D&ouml;rfern,
		die an der Panamericana die Barrikaden aufgebaut haben. Ein paar
		Steine, ein paar Baumst&auml;mme und ein paar Hundert Leute - und der
		Verkehr liegt lahm. Die stereotypen brennenden Autoreifen sind
		eher die Ausnahme, mehr nostalgisch wird abends oder nachts der
		eine oder andere in Brand gesteckt. Die Streikenden sind freundlich
		aber bestimmt, und gezielt gewaltfrei. Wird eine tranque dann
		doch ger&auml;umt, so baut man sie ein paar Kilometer weiter wieder
		auf, oder die n&auml;chste Barrikade l&auml;&szlig;t ein, zwei Stunden weiter
		die Stra&szlig;e runter auf sich warten. Bauern mit verderblichen Lebensmitteln,
		Zeitungen, Krankentransporte und Fahrzeuge internationaler Organisationen
		d&uuml;rfen z&uuml;gig passieren. Sympathisanten aus der Stadt versorgen
		die Barrikaden mit Lebensmitteln, nachts spielt Musik. Innerhalb
		der St&auml;dte l&auml;uft alles normal, noch sind die Lebensmittelpreise
		nicht gestiegen, obwohl alle Leute, die es sich irgendwie leisten
		k&ouml;nnen, auf Vorrat einkaufen. <P>
		Pr&auml;sident Alem&aacute;n, der zu Beginn des Streiks den starken Durchhalter
		markierte, ist inzwischen zu Gespr&auml;chen bereit. Daniel Ortega
		ist Kopf der gemischten Komission, die mit der Regierung verhandelt,
		doch die Frente - obwohl nat&uuml;rlich am st&auml;rksten engagiert - ist
		nicht die Kraft, auf die die Streikposten vertrauen. &quot;Aqu&iacute; mandan
		los indigenos&quot;, versichert mir einer der Streikenden, &quot;hier haben
		die Indios das Sagen. Daniel kann verhandeln wie er will, er verhandelt
		nicht in unserem Namen. Wir wollen konkrete Ergebnisse.&quot; Politisches
		Klima Die zunehmende politische Ern&uuml;chterung hinsichtlich politischer
		Ver&auml;nderung durch demokratischere Verh&auml;ltnisse hat noch andere
		Gr&uuml;nde. Die Regierung von Pr&auml;sidentin Violetta Chamorro, im Post-Wahlenthusiasmus
		noch halbernst f&uuml;r den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, hat sich
		genauso bereichert, wie sie dies den Sandinisten st&auml;ndig vorgeworfen
		hat. Bestechungsskandale, Doppelgeh&auml;lter, undurchsichtige Abrechnungen
		und Eigentums&uuml;bertragungen, dubiose Privatisierungen staatlicher
		Betriebe, verschwundene Spendengelder auf nationalem wie auf kommunalem
		Niveau ...; eine &quot;zweite Pi&ntilde;ata&quot;, h&ouml;rt man immer h&auml;ufiger. Pi&ntilde;ata
		ist die lateinamerikanische Version des &quot;Topfschlagens&quot; - H&ouml;hepunkt
		eines jeden Kindergeburtstags oder Schulfests. Eine Tonschale,
		gef&uuml;llt mit S&uuml;&szlig;igkeiten und versteckt im Inneren einer Figur aus
		Karton und Kreppapier, wird beweglich aufgeh&auml;ngt und - sch&ouml;n der
		Reihe nach - mit verbundenen Augen und der Hilfe eines Stocks
		attackiert bis sie auseinanderbricht und Bonbons sich &uuml;ber die
		zu diesem Zeitpunkt meist leicht hysterische Kinderschar ergie&szlig;t.
		Dann hei&szlig;t es mitten hinein ins Gew&uuml;hl, und mit beiden H&auml;nden
		greifen, soviel man kriegen kann. Momente des Gl&uuml;cks. <P>
		<IMG SRC="childreen.JPG" BORDER="1" ALIGN="right" HSPACE="10" VSPACE="10" WIDTH="200" HEIGHT="164" ALT="kinder">Als Schimpfwort wurde &quot;Pi&ntilde;ata&quot; f&uuml;r die letzten Amtshandlungen
		der sandinistischen Regierung nach der &uuml;berraschenden Wahlniederlage
		von 1990 gebraucht. Noch schnell ein Haus, ein Grundst&uuml;ck, ein
		paar &quot;s&uuml;&szlig;e Sachen&quot; eben erhaschen, bevor die Macht aus den H&auml;nden
		gegeben wurde. (Vielleicht vergleichbar mit dem Wortunget&uuml;m &quot;Seilschaften&quot;
		nach dem Abdanken der DDR-Regierung?) Und die angeblich so viel
		demokratischere Regierung, so stellt sich nun heraus, war keinen
		Deut besser. Eher noch methodischer, gr&uuml;ndlicher, gieriger. Wird
		&quot;Politikverdrossenheit&quot; nun auch ins Spanische &uuml;bersetzt werden? <P>
		&nbsp; 
		<H2>Die Pipitos </H2>
		In den letzten Wochen und Monaten war die Arbeit der Pipitos bestimmt
		von dem n&auml;herr&uuml;ckenden Abgabetermin f&uuml;r die Projektunterlagen
		f&uuml;r das Arbeits- und Kommunikationszentrum Jugendlicher auf dem
		terreno der Pipitos. Kostenvoranschl&auml;ge, Abrechnungen und Aufschl&uuml;sselungen
		getreu den detaillierten Projektvorgaben zusammentragen und in
		pr&auml;sentationsf&auml;higes Format bringen - viel Schreibtischarbeit.
		Besonders im Lichte der derzeitigen Situation solcher Projekte
		(s.o.) sind wir nun am Daumendr&uuml;cken. Dar&uuml;berhinaus habe ich mich
		vor allem darauf konzentriert, unsere Spanischschule bekannter
		zu machen. Standardpreise und Gruppenerm&auml;&szlig;igungen mu&szlig;ten neu kalkuliert
		und festgelegt werden, mit Postern und Faltbl&auml;ttern auf Englisch
		und Deutsch machen wir innerhalb und au&szlig;erhalb Nicaraguas Werbung
		f&uuml;r das Programm - mit ersten Erfolgen. Nachdem im Dezember eine
		gr&ouml;&szlig;ere Gruppe schwedischer Studenten hier vier Wochen lang Spanisch
		lernte, erhalten wir nun immer &ouml;fter Post von Interessenten, haupts&auml;chlich
		aus Deutschland, Schweden, der Schweiz und den USA. Einige Zeitschriften
		haben uns wegen unseres sozialen Anliegens - alle Gewinne aus
		der Schule kommen direkt den Pipitos zugute - kostenlose oder
		erm&auml;&szlig;igte Anzeigen erm&ouml;glicht, akademische Einrichtungen in den
		USA sind an regelm&auml;&szlig;iger Zusammenarbeit interessiert, und eine
		Agentur hat uns angeboten, nicaraguanische Spanischschulen gezielt
		in den USA und Kanada bekanntzumachen. Auch eine Webseite im Internet
		ist so gut wie fertig. Ab diesem Jahr hoffentlich kann Los Pipitos
		- Sacuanjoche ein stetiger Anteil der Eigenfinanzierung der Pipitos
		werden. Vielleicht kennst Du ja jemanden, liebes Deutschland,
		der Interesse an einem Spanischkurs in Estel&iacute; h&auml;tte - der Wochenkurs
		kostet um die U$ 200, inklusive 20 Stunden Unterricht samt Kursmaterial,
		Unterbringung in einer freundlichen Gastfamilie mit drei Mahlzeiten
		t&auml;glich und zwei Besuchen bei &ouml;rtlichen Organisationen/Institutionen
		in Begleitung des Tutors. <P>
		Die Gartenarbeit auf unserem St&uuml;ck Land geht nat&uuml;rlich weiter
		- der Kaninchenstall ist mir ein wenig gro&szlig;z&uuml;gig geraten, wir
		sind f&uuml;r weiteren Kaninchenzuwachs (bisher: ein Paar!) gut gewappnet.
		Ein H&uuml;hnerstall ist als n&auml;chstes dran. <P>
		<IMG SRC="felixstreet.JPG" BORDER="1" ALIGN="left" HSPACE="10" VSPACE="10" WIDTH="200" HEIGHT="278">Mehrfach war ich in Managua auf &quot;Globalfonds&quot;-Sitzungen im EIRENE-B&uuml;ro.
		Dieser Fonds besteht aus Entwicklungshilfegeldern der Europ&auml;ischen
		Gemeinschaft, die unabh&auml;ngige Projektpartner bei Organisationen
		wie EIRENE beantragen k&ouml;nnen. Seit mehreren Jahren werden die
		Cooperantes in den Entscheidungsproze&szlig; &uuml;ber die Vergabe dieser
		Mittel - insgesamt um die U$ 100.000 im Jahr - miteinbezogen.
		Im Prinzip sind diese Gelder einmalige Zusch&uuml;sse - wenn der Projektpartner
		einen bestimmten Anteil in Eigenleistung oder -finanzierung aufbringen
		kann, kann der Rest des Projektbudgets aus den Globalfonds &uuml;bernommen
		werden. Unter anderem wird m&ouml;glicherweise mein ehemaliger Projekt-Arbeitsplatz
		in Chichigalpa von den diesj&auml;hrigen Fonds profitieren k&ouml;nnen.
		Seit Anfang des Jahres Ruth und Bernhard Bischoff vom Comit&eacute; San
		Esteban in Garbsen die Partner in Chichigalpa besuchten, hat sich
		dort einiges getan. Mit einem neubesetzten und neustrukturierten
		Comit&eacute; in Chichigalpa wird die Partnerschaft weitergehen, bei
		meinem letzten Besuch in Chichigalpa war die Stimmung optimistisch.
		Die Zusammenarbeit zwischen der Stephanusgemeinde in Berenbostel-Garbsen
		und dem Comit&eacute; in Chichigalpa steht nach der Aufkl&auml;rung von Mi&szlig;verst&auml;ndnissen
		auf einer neuen Basis - wer wei&szlig;, vielleicht wird ja ein neuer
		Freiwilliger aus Deutschland bald dort arbeiten k&ouml;nnen.<P>
		W&auml;hrend der Osterferien kam mich mein Bruder Julius besuchen und
		brachte Gr&uuml;&szlig;e und Geschenke. Nat&uuml;rlich verbrachte er nicht die
		ganze Zeit hier in Estel&iacute;. Zusammen fuhren wir auch nach Chichigalpa,
		erlebten traumhafte Ferientage auf Ometepe, einer Doppelvulkaninsel
		im See Nicaragua und an der Atlantikk&uuml;ste Nicaraguas.Viel zu schnell
		verging die Zeit. <P>
		&nbsp; 
		<H2>Kirche und Religion </H2>
		Freitag abend, kurz vor Sonnenuntergang, gleich halb sieben. Es
		bleibt nicht mehr viel Zeit, bis wir in die Stadt gehen sollten,
		es sei denn wir wollen unsere Toleranzgrenzen wieder einmal ausreizen:
		Jeden Moment beginnt bei unseren Nachbarn der Gottesdienst. <P>
		Richtig ruhig ist es in nicaraguanischen Stra&szlig;en und H&auml;usern eigentlich
		nie. &Uuml;berraschend still ist es h&ouml;chstens, wenn der Strom ausf&auml;llt,
		so wie in dieser Woche fast t&auml;glich sechs Stunden. Dann verstummen
		die Radios der Nachbarn, die gro&szlig;en Kassettenrecorder der Stra&szlig;enverk&auml;ufer,
		die ihre Lieblingsraubkopien verkaufsf&ouml;rdernd dudeln, die Fernseher
		geben den unvermeidlichen Novelas, s&uuml;damerikanischen Endlosseifenopern,
		zur nicht geringen Verzweiflung der Zuschauer, eine Pause. Dann
		reduziert sich der Ger&auml;uschpegel auf die Dieselmotoren der uralten
		Busse, das Geknatter und Gehupe der Motorr&auml;der, die Obst- und
		Gem&uuml;serverk&auml;ufer mit ihren Holzkarren, die lauthals ihre Ware
		anpreisen, Stra&szlig;enh&auml;ndler und Losverk&auml;ufer, die alle um Kundschaft
		buhlen, spielende Kinder, streunende Hunde, Pferde, K&uuml;he und H&auml;hne,
		die sich mit der Tageszeit vertan haben. &quot;Informeller Sektor&quot;
		nennen das der Weltw&auml;hrungsfond und die Weltbank. <P>
		In diesem Dezibelkonzert treten regelm&auml;&szlig;ig Solisten in Erscheinung:
		Das ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte st&auml;dtische &quot;K&auml;sebl&auml;ttchen&quot; kommt in Nicaragua
		n&auml;mlich ebenfalls in akustischer Form ins Haus. Rent-a-loudspeaker
		m&uuml;&szlig;te man diese Art Unternehmen auf neudeutsch wohl nennen, Fahrzeuge
		mit gro&szlig;en Lautsprechern in der bedrohlichen Tr&ouml;tenform, die f&uuml;r
		einen erschwinglichen Stundenpreis durch die Stadt fahren und
		von Endloskassetten erbarmungslos die Neuigkeiten von Todesf&auml;llen,
		Gerichtsurteilen, Zahlungserinnerungen des Finanzamts, Beschl&uuml;ssen
		des Oberb&uuml;rgermeisters und den aktuellen Sonderangeboten des Supermarktes
		rundumbeschallen. Nat&uuml;rlich bei einer Lautst&auml;rke, die den Auftraggeber
		in der Gewi&szlig;heit l&auml;&szlig;t, da&szlig; sich niemand der Information verschlie&szlig;en
		konnte. <P>
		<IMG SRC="church.JPG" BORDER="1" ALIGN="right" HSPACE="10" VSPACE="10" WIDTH="200" HEIGHT="244">Weit &uuml;ber dem &uuml;blichen Ger&auml;uschpegel liegen meistens auch die
		Gottesdienste der evangelicos, zahlloser evangelikaler Sekten
		und relig&ouml;ser Gruppen, die im traditionell katholischen Nicaragua
		vor allem von den USA aus Fu&szlig; fassen. Drei- bis f&uuml;nfmal pro Woche
		versammeln sich diese Kleingemeinden in sp&auml;rlich eingerichteten
		R&auml;umen - und auch hier sind Lautsprecher, zur Missionierung der
		Nachbarschaft ein wichtiger Bestandteil. Meist ohne Instrumente,
		von rhythmischem Klatschen begleitet, leitet der Vors&auml;nger die
		Gruppe. Ob es an den bis an die Schmerzgrenze aufgedrehten Verst&auml;rkern
		allein liegt, oder daran, da&szlig; die meisten Hymnen aus dem Englischen
		&uuml;bersetzt zu sein scheinen, ohne dem lateinamerikanischem Empfinden
		f&uuml;r Rhythmen und Harmonien gerecht zu werden - die stundenlangen
		Ges&auml;nge, unterbrochen von Gebeten und Hallelujahs in atemberaubender
		Geschwindigkeit, sind in unmittelbarer Nachbarschaft wirklich
		ein akustischer Toleranztest. Die Regeln in diesen Sekten sind
		strikt: kein Alkohol, kein Rauchen, kein Tanzen, kein Ausgehen,
		kein Make-up, keine Hosen f&uuml;r Frauen, regelm&auml;&szlig;ige Teilnahme am
		Gottesdienst. <P>
		Religion in Nicaragua ist komplex und Kirche und Kirchen allgegenw&auml;rtig.
		Erzbischoff Miguel Obando y Bravo residiert in einer (gut drei
		Jahre alten) postmodernen Kathedrale in Managua, die von einem
		Pizzahersteller im Exil finanziert wurde. Bef&uuml;rworter betonen
		die Notwendigkeit eines spirituellen Zentrums der Vers&ouml;hnung f&uuml;r
		die gegnerischen politischen Lager im Land, Kritiker errechnen,
		wieviel Stra&szlig;enkindern man f&uuml;r die Baukosten vor Unterern&auml;hrung
		und Analphabetismus h&auml;tte bewahren k&ouml;nnen. In der Apsis ist ein
		gro&szlig;es Kreuz in der Wand ausgespart: Schaut man durch diese &Ouml;ffnung
		in die eine Richtung, sieht man die Silhouette des Denkmals f&uuml;r
		Augusto C. Sandino, dem Volkshelden und Revolution&auml;r der zwanziger
		Jahre, in dessen Tradition die FSLN steht. In der anderen Richtung
		blickt man auf den Wolkenkratzer der Bank of America, einem sp&auml;ten
		Sieger der Revolution. Vor der in Scheinwerferlicht getauchten
		Kathedrale stehen nach Einbruch der Dunkelheit Prostituierte an
		der belebten Carretera Masaya.. Die katholische Kirche ist Tr&auml;ger
		von Schulen und Universit&auml;ten, W&uuml;rdentr&auml;ger des p&auml;pstlichen Geheimordens
		Opus Dei schreiben regelm&auml;&szlig;ig in Zeitungskolumnen und -kommentaren.
		Vor den Wahlen machten alle ernstzunehmenden Pr&auml;sidentschaftskandidaten
		ihre Aufwartung beim Erzbischoff, und letzterer lie&szlig; es sich nicht
		nehmen, am Wahlsonntag die Gemeinde aufzufordern, dem biblischen
		Text gleich endlich &quot;die Schlange zu zertreten&quot;, was eindeutig
		verstanden wurde, den Sandinisten endlich ein Ende zu setzen.
		Von Vers&ouml;hnung ist an dieser Stelle nicht viel zu h&ouml;ren. <P>
		Es sind die erw&auml;hnten evangelikalen Sekten, die sich gro&szlig;en Zulaufs
		erfreuen. Hier wird fixe Struktur und Halt geboten. Man mag die
		rigiden Auflagen kritisch sehen - aber die Familien, die zu diesen
		cultos geh&ouml;ren, sind oft die intaktesten: kein Vater der das Geld
		vertrinkt und die Kinder schl&auml;gt, um nur ein Beispiel zu nennen. <P>
		&nbsp; 
		<H2>Unterst&uuml;tzerkreis </H2>
		Vor kurzem schickte mir EIRENE die Zwischenabrechnung meines Spendenkontos
		f&uuml;r das Jahr 1996, das hei&szlig;t, es sind hoffentlich auch alle Spendenquittungen
		bei Euch eingegangen. (Bitte nicht vergessen, auf den &Uuml;berweisungsformularen
		vollst&auml;ndige Adressen anzugeben, wenn Spendenquittungen gew&uuml;nscht
		werden.) Insgesamt sind seit April letzten Jahres Spenden in H&ouml;he
		von <B>DM 21.300</B>mit dem Verwendungszweck &quot;Felix Seyfarth&quot; bei EIRENE eingegangen
		- ein tolles Ergebnis f&uuml;r das ich allen Unterst&uuml;tzerinnen und
		Unterst&uuml;tzern ganz herzlich danke! Durch die Hilfe von Euch und
		Ihnen allen, Einzel- und Dauerspendern, ist mein Dienst hier m&ouml;glich
		geworden - f&uuml;r Eure Bereitschaft zur Unterst&uuml;tzung und Euer Vertrauen
		danke ich Euch und Ihnen allen. <P>
		&nbsp;<P>
		Zum Abschlu&szlig; noch ein Hinweis in Sachen &Ouml;ffentlichkeitsarbeit: <P>
		Der <A HREF="www.stern.de">Stern</A>ver&ouml;ffentlicht in einer seiner n&auml;chsten Ausgaben, h&ouml;chstwahrscheinlich
		am 15. Mai oder am 22. Mai, einen Artikel &uuml;ber Freiwilligenarbeit
		im Ausland. Mehrfach bin ich, als ein Fallbeispiel sozusagen,
		im vergangenen Monat dazu telefonisch interviewt worden und erwarte
		diese Woche einen Fotografen, der meine Arbeit bei Los Pipitos
		in ein paar Bildern festhalten soll. Vielleicht hast Du ja Lust,
		liebes Deutschland, dort einmal reinzuschauen. Sei herzlich gegr&uuml;&szlig;t
		und umarmt, liebes Deutschland - <P>
		<B>Felix</B>
	</BODY>
	</HTML>

