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		<TITLE>Feliz A&ntilde;o Nuevo, liebes Deutschland</TITLE>
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			<TR>
				<TD><CENTER><IMG SRC="5.jpg" BORDER="1" WIDTH="590" HEIGHT="159"></CENTER>
				<H1>&nbsp;<P>
				Feliz A&ntilde;o Nuevo, liebes Deutschland,</H1>
				in Nicaragua hat der Pr&auml;sident Arnoldo Aleman die Staatsgesch&auml;fte
				&uuml;bernommen, in den St&auml;dten haben neugew&auml;hlte B&uuml;rgermeister ihr
				Amt angetreten, und wir harren der Dinge, die da kommen sollen.
				Optisch zumindest tut sich einiges: einige Stra&szlig;en werden repariert,
				Br&uuml;cken gebaut, neue Gesch&auml;fte &ouml;ffnen - ist das nun alles der
				neuen Regierung zu verdanken?<BR>
				Bisher kann man das wohl nicht behaupten: Obwohl Wahlkampf und
				Wahlen im letzten Jahr nicht zuletzt eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahme
				waren, hatte der ganze Rummel (manchmal kam es mir wirklich so
				vor ...) unter anderem auch den Effekt, einen Gro&szlig;teil staatlicher
				Mittel vor allem f&uuml;r den Wahlkampf zu binden und in vielen Beh&ouml;rden
				und Institutionen wegen der herrschenden Unsicherheit Planung
				und Entscheidungen zu erschweren oder ganz unm&ouml;glich zu machen.
				W&auml;hrend des Regierungswechsels blieb es trotz gegenteiliger Bef&uuml;rchtungen
				und Ger&uuml;chte ruhig. Nun geht alles seinen alten-neuen Gang, auf
				tats&auml;chliche Ergebnisse werden wir noch warten m&uuml;ssen. 
				<H2>Orientierung</H2>
				Nach knapp drei Monaten mit Los Pipitos habe ich mich in Estel&iacute;
				&quot;gut eingelebt&quot;, wie es so sch&ouml;n hei&szlig;t. Ein guter Ma&szlig;stab daf&uuml;r
				ist unter anderem die Kenntnis der &ouml;rtlichen Referenzpunkte, ich
				will das kurz erkl&auml;ren:<BR>
				Im letzten September sorgte die Schlagzeile f&uuml;r einige Aufregung,
				Nicaragua wollte ein Postleitzahlsystem einf&uuml;hren, zun&auml;chst schrittweise
				in Managua, dann im Rest des Landes. Was daran so besonderes ist?
				Unter anderem m&uuml;&szlig;ten damit auch die meisten Stra&szlig;en einen Namen
				bekommen. Bisher gibt man Adressen hier etwa folgenderma&szlig;en an:
				Vom Kino Altamira anderthalb Blocks nach Westen (das EIRENE-B&uuml;ro
				in Managua), Von der Banken-Ecke ein Block nach S&uuml;den und einen
				halben Block zum Flu&szlig; (das Kulturzentrum Arrayan in Estel&iacute;) oder
				Von der Br&uuml;cke Panama Soberana einen Block nach Norden und zwei
				Blocks nach Osten. Ein Orientierungssystem f&uuml;r Einheimische eben
				- wer die &ouml;rtlichen Fixpunkte nicht kennt, dem n&uuml;tzen diese Angaben
				wenig. Oft genug sind es n&auml;mlich nicht nur Referenzen wie Kirchen,
				Hotels, Banken etc., sondern eher obskure Angaben, f&uuml;r die man
				sich wirklich einigerma&szlig;en auskennen mu&szlig;. Mein Lieblingsbeispiel
				dazu (in Malpaisillo) lautet: Vom B&auml;umchen drei Blocks nach S&uuml;den
				und ein Block nach Westen; so wurde zu einer Versammlung eingeladen.
				Zus&auml;tzlich wird dieses Schema noch dadurch erschwert, da&szlig; statt
				&quot;Westen&quot; normalerweise abajo (nach unten) und f&uuml;r &quot;Osten&quot; arriba
				(nach oben) verwendet wird. Theoretisch kann man sich das zwar
				mit der Eselsbr&uuml;cke Sonnenaufgang/Sonnenuntergang gut merken -
				aber eben nur theoretisch.<P>
				&nbsp;<P>
				<center>
				<IMG SRC="4.jpg" BORDER="1" ALIGN="top" WIDTH="450" HEIGHT="191"><P>
				&nbsp;<P>
				</center>
				Dies soll nach offiziellen Pl&auml;nen anders werden. Stra&szlig;ennamen,
				Hausnummern, Postleitzahlen - sch&ouml;ne neue Welt? Skepsis ist wohl
				angebracht, wenn man bedenkt, da&szlig; besonders in Managua oft Referenzpunkte
				genannt werden, die dem Erdbeben von 1972 zum Opfer gefallen sind,
				etwa Von der Ecke wo das Hotel Nicarao stand, zwei Blocks nach
				unten. Wie lange mag es wohl dauern, Postleitzahlen allgemein
				einzuf&uuml;hren, wenn ein Hotel noch 25 Jahre nach seiner Zerst&ouml;rung
				als Wegzeichen dient?<P>
				In Estel&iacute; kenne ich inzwischen die wichtigsten Orientierungspunkte
				- kein Problem also, ich finde mich zurecht. Theoretisch jedenfalls.<BR>
				Als ich in der letzten Woche mit Luz Eneyda und Maritza loszog,
				um bei verschiedenen Familien Hausbesuche zu machen, gerieten
				wir dann allerdings in Stadtteile, in denen wir oft nach dem Weg
				fragen mu&szlig;ten. Bevor im Februar nach den Ferien das neue Schuljahr,
				und damit auch das Pipitos-Jahr, beginnt, besuchen wir die Eltern
				der behinderten Kinder und Jugendlichen, um sie zu den Elternversammlungen
				einzuladen und herauszufinden, ob es Familien gibt, die daran
				interessiert sind, bei Los Pipitos mitzuarbeiten. 
				<H2>Das neue Schuljahr</H2>
				Die gute Resonanz dieser Elternversammlungen hat m&ouml;glicherweise
				auch mit dem w&ouml;chentliche Radioprogramm &quot;En Marcha&quot; (etwa: Unterwegs)
				zu tun. Mit Spendengeldern f&uuml;r &ouml;ffentlichkeitsarbeit und dank
				der ehrenamtlichen Arbeit einer Journalistin k&ouml;nnen wir eine halbe
				Stunde w&ouml;chentlich im Radio Liberaci&oacute;n (97,2 Mhz) finanzieren.
				Punkt zehn Uhr jeden Mittwoch winkt uns C&eacute;sar von der anderen
				Seite der Glasscheibe zu, das &quot;On-Air&quot; Licht geht an und mit Do&ntilde;a
				Aura Estela zusammen berichte ich im Lokalradio eine halbe Stunde
				&uuml;ber Aktivit&auml;ten der Pipitos, Probleme der Behinderten in der
				Region und Erreichtes in unserer Arbeit. Immer wieder ist es spannend:
				wie lang sich manchmal die Minuten dehnen, wie schnell an anderen
				Tagen die Zeit vergeht, wieviel oder wenig von meinen Vorbereitungen
				ich tats&auml;chlich verwenden kann... Vor Mikrofon und Lampe ist Spanisch
				dann auf einmal doppelt und dreimal so schwierig.<BR>
				Erst hinterher kommt dann das Gef&uuml;hl &quot;Es lief gut!&quot; - oder auch
				nicht. Aber gerade w&auml;hrend der Hausbesuche h&ouml;rten wir von einigen
				Eltern, da&szlig; sie auf die Sendung warten, durch das Radio von den
				Immatrikulationsterminen der Pipitos und der Sonderschule erfuhren
				oder nach unserer Einladung in unserem Gem&uuml;segarten mitzuhelfen,
				sich tats&auml;chlich auf den Weg gemacht haben. 
				<H2>El Terreno</H2>
				Dort bin ich jeden Dienstag. W&auml;hrend der trockenen Jahreszeit
				m&uuml;ssen wir die kleinen B&auml;umchen im &quot;Wald der Freundschaft&quot; t&auml;glich
				bew&auml;ssern, damit auch wirklich ein Wald daraus wird. Nat&uuml;rlich
				sprie&szlig;t vor allem das Unkraut, das J&auml;ten hat nie ein Ende. Dem
				ziemlich wild bewachsenen St&uuml;ck Boden gewinnen wir ein Beet nach
				dem anderen ab: Die trockene Erde loshacken, Steine absammeln,
				hacken, noch mehr Steine absammeln, Dung untermischen, bew&auml;ssern,
				harken, Beet anlegen, abdecken, auss&auml;en, bew&auml;ssern - und j&auml;ten.
				Da wird einem die Zeit nicht lang. Rote Beete, Radieschen, Karotten,
				Gurken und Paprika wachsen stetig in die H&ouml;he. Dazu kommen Eink&auml;ufe
				von Gie&szlig;kannen, einer Schubkarre und verschiedenen Werkzeugen
				nach gr&uuml;ndlichen Preisvergleichen. Selbst beim Einkauf der Pflanzensamen
				mu&szlig; man vorsichtig aussuchen: Im k&uuml;hlen Klima Estel&iacute;s w&auml;chst l&auml;ngst
				nicht alles, was in der hei&szlig;eren Ebene gut gedeiht. Da hilft die
				Expertise von Natalia, einer Agronomin, die dank finanzieller
				Unterst&uuml;tzung aus Deutschland inzwischen auf dem terreno arbeitet.<P>
				Etwa die H&auml;lfte des Gel&auml;ndes ist eingez&auml;unt, um Nachbars K&uuml;he
				von den jungen Pflanzen fernzuhalten, und in einem kleinen Haus
				lebt der W&auml;chter mit seiner Familie. Don Nerio putzt tags&uuml;ber
				Schuhe im Zentrum von Estel&iacute;. Er hat sich verpflichtet, au&szlig;er
				der Nachtwache t&auml;glich zwei Stunden Arbeit suf dem Gel&auml;nde zuleisten-
				daf&uuml;r kann er dort umsonst wohnen. Nerio jr., ein zweij&auml;hriges
				Kind mit Down-Syndrom, quiekt fr&ouml;hlich, wenn wir kommen. F&uuml;r seine
				Familie bedeutet die Arbeit seines Vaters eine erhebliche Verbesserung
				vor allem der Wohnverh&auml;ltnisse, f&uuml;r ihn steht aus den Pipitos-Best&auml;nden
				ein Kinderrollsitz zur Verf&uuml;gung. Mit den drei mittleren Fingern
				der rechten Hand formt er eine Art L&ouml;ffel (einen &quot;G&ouml;ffel&quot; ?!),
				legt den Kopf schief und stopft sich den Mund mit Reis und Bohnen
				voll.<P>
				Auf diesem Gel&auml;nde, ich schrieb das im letzten Brief bereits,
				sollen Behindertenwerkst&auml;tten, ein behindertengerechter Spielplatz
				und ein Arbeits- und Freizeitzentrum entstehen. Im Moment dreht
				sich jedoch alles noch um die Beantragung der Gelder: Ausf&uuml;hrliche
				Projektantr&auml;ge mit detaillierten Kostenvoranschl&auml;gen, Bauzeichnungen
				und Organigrammen lassen das Vorhaben manchmal noch in weiter
				Ferne erscheinen - doch wenn alles gut geht und die Mittel bewilligt
				werden, werde ich die ersten Arbeiten noch w&auml;hrend meines Dienstes
				hier erleben.<P>
				Ein klitzekleiner Beitrag zum Gesamthaushalt des Projektes kommt
				aus der w&ouml;chentlichen Doppelkopfrunde der deutschen Cooperantes
				in Estel&iacute;. F&uuml;r den guten Zweck, der sich so n&uuml;tzlich mit dem Angenehmen
				verbinden l&auml;&szlig;t, treffen wir uns in einer Gruppe von manchmal bis
				zu acht Leuten jeden Montag abend zum Karten spielen. Alle Gewinne
				- genauer gesagt: die zu bezahlenden Minuspunkte - werden in eine
				Kasse zu Gunsten der Pipitos eingezahlt. Als eingefleischter Skatspieler
				f&auml;llt es mir nicht schwer, selbst mit einem ziemlich sicheren
				Blatt zu verlieren; wenn ich nicht schnell lerne, wird wohl ein
				Volleyballnetz oder eine Steckdose irgendwo im neuen Haus eine
				kleine Messingplakette mit meinem Namen tragen. 
				<H2>Las Comarcas</H2>
				Donnerstags mu&szlig; ich ganz fr&uuml;h los. Der einzige Bus nach La Tejera
				f&auml;hrt um 7 Uhr vom Busbahnhof ab. Eigentlich f&auml;hrt er gar nicht
				nach La Tejera, wo ich Do&ntilde;a Teresas Gruppe behinderter Kinder
				besuche, sondern in die Nachbarkommune San Nicol&aacute;s. Von der Kreuzung
				ist es noch eine gute halbe Stunde Fu&szlig;marsch, vorbei an Campesino-H&auml;usern,
				Kartoffelfeldern und Kiefernw&auml;ldchen und &uuml;ber einen kleinen Flu&szlig;,
				bis ich bei Teresa und ihrer Pipitos-Gruppe ankomme. Auch Teresa
				arbeitet ehrenamtlich, durch die Basisarbeit, die mit Hilfe von
				Unicef in diesen l&auml;ndlichen Regionen geleistet wird, erh&auml;lt sie
				jeden Monat einen Betrag f&uuml;r Lebensmittel und Transportkosten,
				damit die Jugendlichen eine gemeinsame Mahlzeit in ihrem Haus
				einnehmen k&ouml;nnen. Wasser holt sie aus einem Bach hinter ihrem
				Haus. Gegen Bakterien wird mit Chlor desinfiziert (eine nicaraguanischer
				Werbespot f&uuml;r eine popul&auml;re Bleiche wirbt unter anderem mit der
				Tatsache, da&szlig; sich mit nur ein paar Tropfen eine ganze Gallone
				Wasser desinfizieren l&auml;&szlig;t), trotzdem zieht ihre freundliche Bewirtung
				bei mir oft eine leichte Magenverstimmung nach sich. Unter den
				einfachen Bedingungen l&auml;&szlig;t sich hier auf dem Land nur mit sehr
				viel Geduld arbeiten. Viele Eltern verstehen nicht so recht, warum
				sie ihre behinderten Kinder zu den Pipitos schicken sollen. Lesen
				und Schreiben, so das h&auml;ufigste Argument, lernen sie doch sowieso
				nie. Wenn sie im Haus bleiben, k&ouml;nnen sie wenigstens im Haushalt
				zur Hand gehen.<P>
				Wer sich wie Do&ntilde;a Teresa ehrenamtlich engagiert, ger&auml;t auch schon
				mal in den Verdacht, dies zu seinem eigenen Vorteil zu tun. Wer
				wei&szlig;, ob die Sachen, die wir dort herstellen, nicht von ihr mit
				Gewinn verkauft werden? Was tats&auml;chlich an Gewinn abfallen k&ouml;nnte,
				reicht aber in der Regel kaum, um neue Materialien zu kaufen.
				Das spannendste in dieser Gruppe von acht bis zw&ouml;lf Jugendlichen
				war das T&ouml;pfern. Ein St&uuml;ck weit von Teresas Haus mu&szlig; man nicht
				tief graben, um guten Ton zu finden. Schon die Expedition dorthin,
				auf dem R&uuml;ckweg mit vollen Plastikt&uuml;ten, war f&uuml;r die Gruppe sehr
				aufregend. Die meisten sitzen sonst den ganzen Tag im Haus. Dann
				eine Woche sp&auml;ter, nachdem der Ton gut eingeweicht war und wir
				die kleinen Steinchen herausgesammelt hatten, ging es los: Eine
				ganze Menge kleiner Sch&uuml;sseln und N&auml;pfe trocknen nun vor dem Haus
				in der Sonne. Wenn alle halten, werden sie im offenen Feuer gebrannt
				und dann bemalt. Bis n&auml;chsten Donnerstag! 
				<H2>&iexcl;Gracias!</H2>
				Zum Abschlu&szlig; dieses Briefes noch ein gro&szlig;es Dankesch&ouml;n! f&uuml;r Deine
				Weihnachtspost. Deine Briefe, Karten und P&auml;ckchen kamen in einem
				gro&szlig;en Stapel hier an und waren ein wunderbares Geschenk von Dir.
				Ich habe viel an Dich gedacht, und werde mich bem&uuml;hen jeden einzelnen
				Gru&szlig; auch pers&ouml;nlich zu beantworten - wenn es auch ein wenig dauern
				wird.<P>
				Mit dem neuen Jahr (endlich wieder eins mit einer &quot;Ecke&quot;...) hat
				sich f&uuml;r mich mehr ver&auml;ndert, als ich zun&auml;chst dachte:<BR>
				Die H&auml;lfte meiner Vertragszeit ist &uuml;berschritten, ich ertappe
				mich bereits dabei, da&szlig; ich nicht mehr daran danke wie lange ich
				schon hier bin, sondern wie lange ich noch hier sein werde. Die
				verbleibenden sieben Monate scheinen viel k&uuml;rzer, als die sieben
				Monate, die schon hinter mir liegen. Wenn ich zur&uuml;ckdenke, an
				meine ersten Wochen und Monate hier ... wie sehr habe ich mich
				inzwischen an manche Sachen gew&ouml;hnt. An anderes gew&ouml;hnt man sich
				wohl nie.<P>
				Ich gr&uuml;&szlig;e Dich ganz herzlich und hoffe Du bleibst mir gewogen
				- <p>
<P>euer <A HREF="MAILTO:elgato@ibw.com.ni">felix c. seyfarth</A></P>
</TD>
			</TR>
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