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<head><title>Felix Seyfarth - zurück in Deutschland Oktober 1997</title>
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<h2>
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,<br>
Liebe Freundinnen und Freunde,<br>
Liebes Deutschland,<br></h2>


<blockquote>
<p align="left">diesen Brief an Dich habe ich lange hinausgezögert, bitte entschuldige die 
Verspätung. Schon Ende August lief mein Dienstvertrag mit <a href="http://www.eirene.org">EIRENE</a> und den <a href="http://www.ibw.com.ni/~elgato/sacuanjoche">Pipitos</a> aus, nun bin 
ich schon über 
einen Monat wieder hier - und es ist immer noch schwierig, die richtigen deutschen Worte zu 
finden.</p>
<p align="left">Die letzten drei oder vier Monate meines Nicaraguaaufenthaltes scheinen im 
Zeitraffer vergangen zu sein. Kaum wußte ich, wo die Zeit blieb; dann war es schon der 
Tag, an dem ich in das Flugzeug Richtung Berlin stieg. Es ist unheimlich spannend, wieder 
hier bei Dir zu sein, jeden Tag erinnere ich mich neu an die vielen kleinen und großen 
Dinge, die ich vergessen und verlernt habe - es wird sicher noch eine Weile dauern, bis ich 
ganz angekommen bin.</p>
<p align="left">Eine kleine Mücke gab mir noch eine nette Erinnerung mit auf den 
Weg: kaum zwei Wochen wieder hier, bekam ich hohes Fieber und lag eine Woche mit Malaria 
im Krankenhaus. Inzwischen bin ich wieder gesund, und auch ein Wiederholungsanfall kann 
mit hoher Wahrscheinlichkeit, so der Arzt, ausgeschlossen werden.</p>
<center>
<img SRC="bild1.jpg" width="60%" BORDER="1" ALIGN="center" HSPACE="10" VSPACE="10"></center>

<h2>Zurückgekehrt</h2>
<p align="left">Angekommen bin ich in Rostock, wohin meine Eltern während meiner 
Abwesenheit umgezogen sind. (s.u.)</p> 
<p align="left">Zurückgelassen habe ich ein Nicaragua, in dem viele Sachen noch 
ungewisser sind, als sie es vor anderthalb Jahren waren. Der ganze Sommer war geprägt 
von Auseinandersetzungen der Regierung mit der Opposition im Parlament und auf der 
Straße. Kurzzeitig - zum Jahrestag der Revolution im Juli - sah es sogar so aus, als 
würde Alemans Regierung gestürzt werden. In Esteli hörten wir von 
bewaffneten Banden aus den Bergen, die einen Banküberfall in der Stadt planten - 
angereizt durch die dicken Konten der Zigarrenfabrikanten in der Region. Ein paar Wochen 
lang patroullierten ziemlich schwer bewaffnete Soldaten an den Ecken zusätzlich zu den 
obligatorischen Wächtern, aber alles blieb ruhig. Die Regierung begann einen 
nationalen <i>Dialog der Runden Tische</i> zu den Themen: Landenteignung, Bildung, 
Gesundheitsversorgung etc.</p>
<p align="left">Ziel dieser Runden Tische sollte es sein, Vorschläge für 
Gesetzesvorlagen im Parlament zu erarbeiten. Nachdem diese Dialogbemühungen nur 
recht mühsam vorankamen und immer wieder Warnstreiks und Demonstrationen das 
Klima verschärften, stellte sich nun kurz vor meiner Abreise heraus, daß die 
Liberale Partei bereits seit der Amtsübernahme des Präsidenten mit der FSLN 
Geheimverhandlungen zu den gleichen Themen geführt hatte. Die 
Kompromißvorschläge dieser Geheimverhandlungen sind nun 
veröffentlicht worden, aber ob die Runden Tische ihnen zustimmen oder nicht ist 
völlig irrelevant, da mit den Mehrheiten von <i>Frente</i> und <i>Alianza Liberal</i> im 
Parlament sogar Verfassungsänderungen bequem durchgehen. Auch Präsident 
Arnoldo mußte (wie Violetta Chamorro) einsehen, daß man gegen oder auch nur 
ohne die Frente in Nicaragua nicht regieren kann.</p>
<br>
<h2>Perspektiven</h2>
<p align="left">Eines der neuen Schlüsselworte für die Situation im Land ist die 
sogenannte <b>Afrikanisierung</b>. Im ökologischen Sinne ist damit die fortschreitende 
Abholzung der Regenwälder und die damit verbundene Erosion des Bodens gemeint. 
Mittelfristig sind Trockenheiten und Überschwemmungen, Mißernten und 
Hungerkatastrophen zu erwarten.</p>
<p align="left">Klimatische Änderungen werden bereits jetzt deutlich. Was die 
Klimatologen etwas ratlos El Niño nennen, faßt meine 58-jährige Nachbarin 
Doña Delia so zusammen: &quot;Das ist doch kein Sommer. So wenig Regen gab es früher 
nie - aber da war eben noch Wald auf allen Bergen, soweit das Auge reichte. Schon im 
Frühjahr hat sich der Regen fast einen Monat verspätet, das gab's früher nie 
- und nun sieh dir das an, nach so wenig Wasser ist es schon wieder trocken.&quot;</p>
<p align="left">Afrikanisierung hat aber auch eine politische Bedeutung. Zwar sind es in 
Nicaragua nicht verschiedene Stämme oder ethnische Gruppen, die sich 
gegenüberstehen - aber die verschiedenen politischen Strömungen sind in einem 
Stellungskrieg gefangen, der das Land weitgehend lähmt. Keine der Parteien ist allein 
oder in einer möglicher Koalition stark genug, eine bestimmte Richtung vorzugeben. 
Jede Entscheidung, jedes Gesetz, jeder Beschluß sind Ergebnis zähen Ringens, sind 
Ergebnis von Machtdemonstrationen, Drohungen und Konflikten. Auf die nächste Wahl 
zu warten, kann sich Nicaragua nicht leisten. </p>
<center>
<img SRC="bild2.jpg" width="60%" BORDER="1" HSPACE="10" VSPACE="10">
</center>
<p align="left">Im Gegenteil: Innerhalb dieser Legislaturperiode müssen und werden 
Entscheidungen fallen, die Stabilität und Strukturen im Land über Jahre hinweg 
festlegen. Wird Nicaragua, wie manche planen, eine einzige Freihandelszone werden, in der 
ausländische Firmen steuerfrei billige Arbeitskraft nutzend Hemden und Hosen 
für westliche Märkte produzieren? Werden Bio-Kaffee und Ökotourismus 
sich entwickeln können und eine wirtschaftliche Alternative darstellen? Was 
können wir tun, Deutschland, Du und ich, um unserer Verantwortung in dem 
großen globalen Geflecht gerecht zu werden?!</p>
<p align="left">Ich merke, wie mich die Zeit in Nicaragua mehr verändert hat, als ich dies 
vermutet hätte. Daß Nachrichten aus Mittelamerika hier nur selten und sehr 
knapp ankommen, wird mir täglich schmerzhaft bewußt. Der Film &quot;Carla¹s Lied&quot; 
des Briten Ken Loach, den ich bereits in einem Rundbrief des letzten Jahres erwähnte, 
läuft erst jetzt in deutschen Kinos an. In der zweiten Hälfte des Films ist viel 
Nicaragua zu sehen, überwiegend Esteli und Umgebung während der Zeit des 
Bürgerkrieges - nicht ganz frei von Klischees, aber ein interessanter Einblick in Land 
und Leute in dieser Zeit.</p>
<br>
<h2>Unterwegs</h2>
<p align="left">Ich war und bin viel unterwegs in den letzten Wochen: das 
Abschlußgespräch bei EIRENE, das Rückkehrerseminar mit anderen 
Freiwilligen, Öffentlichkeitsarbeit, Besuche bei Familie, Freunden und 
Unterstützern. <br>
Viele Papiere und Fotos liegen noch ungeordnet herum,  aber es geht Schritt für Schritt 
voran. Im Moment bereite ich einen &quot;Nicaragua-Abend&quot; in Schwerin vor. <br>
Auch in Garbsen, beim Comite San Esteban, wird es wahrscheinlich eine solche Veranstaltung 
geben. Sollte andernorts für so einen Vortragsabend ebenfalls Interesse bestehen? Ich 
bin gern bereit, über meine Erlebnisse vor und während dieses Dienstes zu 
berichten. Erreichbar bin ich bis auf weiteres unter der Rostocker Adresse meiner Eltern.</p>
<br>
<h2>An den Unterstützerkreis</h2>
<p align="left">Ein Wort zum finanziellen Aspekt des Dienstes: Die Endabrechnung meines 
Spendenkontos weist einen positiven Saldo aus! Insgesamt sind im Laufe der letzten 19 Monate 
zu meinem Erstaunen und zu meiner großen Freude dort ca. DM 30.000 eingegangen.  Ich 
hätte dies nicht für möglich gehalten und freue mich sehr über dieses 
Ergebnis. Ich danke Euch und Ihnen allen, die dazu beigetragen und durch Anteilnahme und 
Solidarität diesen Dienst ermöglicht haben. Spendenbestätigungen werden 
Euch und Ihnen zum Jahresende von EIRENE unaufgefordert zugeschickt, sofern die 
Spenderadresse auf der Überweisung angegeben war.</p>
<p align="left">Der vierteljährlich erscheinende EIRENE-Rundbrief wird bis auf weiteres 
an die einige der Spender verschickt werden. (Ein kurzer Anruf bei EIRENE reicht aus, um 
Eure oder Ihre Adresse aus dem Verteiler zu streichen.)</p>
<br>
<p align="left">Ich schreibe meinen letzten Rundbrief, liebes Deutschland, das ist ein 
merkwürdiges Gefühl. Vor knapp zwei Jahren habe ich mich das erste Mal an Euch 
und Sie gewandt, und um Hilfe für meinen Freiwilligendienst gebeten. An dieser Stelle 
sage ich allen herzlichen Dank, die durch ihr Interesse, Ihr Engagement, Ihre Spenden 
diesen Dienst ermöglicht haben. Mit vielen von Euch und Ihnen habe ich 
ausführlich vor und nach der Vertragszeit reden können, bei manchen war das 
(noch) nicht möglich. Ich hoffe, daß sich dazu Gelegenheit finden läßt. 
Bis dahin grüßt Euch wie immer ganz herzlich,</p> 
<br><br>
<b>felix c. seyfarth</b>
<br><br><br>
</blockquote>
<table border="0" width="90%"><tr><td rowspan="2">
<img SRC="bild3.jpg" BORDER="1" ALIGN="left" HSPACE="12" VSPACE="6" WIDTH="207" HEIGHT="280"></td><th valign="top" align="left">
<br>
<h2>noch ein P.S.:</h2></th></tr><td align="left" valign="top"><br>Manche von Euch und Ihnen haben mir signalisiert, daß ihre Spenden auf 
die Zeit meines Dienstes beschränkt seien. Vielleicht gibt es auch den einen oder die 
andere, die gerne das Comite San Esteban in Chichigalpa oder Los Pipitos in Esteli in ihrer 
Arbeit für eine Verbesserung der Lebensbedingungen in Nicaragua weiter 
fördern wollen. EIRENE ist auch weiterhin auf Spenden angewiesen, um in Nord und 
Süd weiterzuarbeiten.</p><p>
<blockquote>
<p align="left">Meine neue Adresse:<br><br>
<b>Felix Seyfarth<br>
Fährstr. 25 - Michaelshof<br>
18147 Rostock</b></p><br>
<b><a href="mailto:felixx@earthling.net">email</a>: felixx@earthling.net</b>
</blockquote></td>
</table>
<hr>

<blockquote>
<table cellpadding="9" border="0">
<tr>
<td align="left" valign="top"><h5>Spenden für <i><a href="http://www.ibw.com.ni/~elgato/sacuanjoche">Los Pipitos</a>:</i><br>
Konto: 10 11 38 00 14 bei der<br>
Bank für Kirche und Diakonie Duisburg<br>
BLZ: 350 601 90<br>
Empfänger: EIRENE<br>
Verwendungszweck: PIPITOS ESTELI</h5>
<h6>(Spendenquittungen bei Adreßangabe)</h6></td>

<td align="left" valign="top">
<h5>Spenden für das <i>Comite San Esteban:</i><br>
Konto: 4000 200 bei der <br>Volksbank Garbsen<br>
BLZ: 251 62 563<br>
Empfänger: Stephanus-Solidaritätsfonds<br>
Verwendungszweck: CSE Chichigalpa</h5></td></tr>

<tr>
<td align="left" valign="top"><h5><i><a href="http://www.eirene.org">EIRENE 
e.V.</a></i><br> Engerser Str. 74 b<br>
D - 56564 Neuwied<br>
Fon: (02631) 83  79-0<br>
Fax: (02631) 31 16 0</h5><br>
</td><td align="center" valign="center"><a href="../index.html">Menü</a></td></tr>
</table></blockquote>
</body></html>

